Unsere Bewohner*innen Spezial: Sherin

Zwar wohne ich nicht richtig in der Else75 und dennoch bedeutet sie für mich zu Hause.

Vor vier Jahren bin ich nach Berlin gekommen und habe in einer Wohnung um die Ecke gelebt. Seither bedeutet dieser Kiez für mich Zuhause. Nach einem längeren Auslandsaufenthalt, suche ich nun schon seit einem halben Jahr eine bezahlbare Wohnung – bisher allerdings erfolglos. Mit meinem Koffer in der Hand, werde ich glücklicherweise von Freunden aufgenommen – unter anderem in der Else75.

Mittlerweile ist mein Alltag geprägt von der Wohnungssuche. Regelmäßig fahre ich in die verschiedenen Berliner Bezirke.Nur um mich dann mit hunderten anderen Suchenden durch leerstehende Wohnungen zu drängeln, um wieder und wieder eine Absage zu erhalten. Bezahlbare Wohnungen sind rar geworden in Berlin, ich kann das aus Erfahrung sagen. Und ist doch mal eine Wohnung finanzierbar, bin ich eine von 2.000. Auch daher verstehe ich nicht, dass in der Else75 Wohnungen offenbar seit Jahren leerstehen und nicht vermietet werden. Das macht mich gleichzeitig wütend und traurig, da es so viele Verzweifelte wie mich gibt, die beinahe jede bezahlbare Wohnung mit Kusshand nehmen würden.

Die Else75 bietet mir in meiner verzweifelten Situation ein Zuhause. Auch wenn ich hier auf der Couch schlafe und aus Koffern lebe, ist hier der Ort, an dem ich immer wieder ankomme und Ruhe finde.

Als die Nachricht kam, dass die Else75 verkauft wurde, war ich schwer getroffen: noch mehr Konkurrent*innen auf dem Wohnungsmarkt 😉

Die Else75 hatte mir Stabilität und Hoffnung gegeben, dass auch ich in Berlin eine Wohnung mit netter Nachbarschaft finden könnte. Durch die Ungewissheit, was nach dem 8. April mit dem Haus und seinen Menschen passiert, ob sie sich die Wohnungen dann noch leisten können oder ob sie verdrängt werden, ist ihnen Stabilität genommen worden. Ich kenne das Haus und seine Bewohner*innen zwar noch nicht lange, allerdings bin ich ernsthaft gerührt davon, was hier seit dem 13. Februar alles passiert ist. Die Menschen sind zusammengerückt. Die Hausgemeinschaft hat sich organisiert. Beim Kampf um ihr Haus kommen die jeweiligen individuellen Fähigkeiten der Bewohner*innen zum Einsatz. Jeder tut das, was er kann und alle Interessen werden hier berücksichtigt. Dabei wird auch denen Gehör geschenkt, die leicht zu überhören sind. Dadurch wird dieses Spekulationsobjekt Haus für mich zu einem ganz besonderen Ort – einer belebten Gemeinschaft, die in ihrer liebenswerten Verschiedenheit für einander einsteht.

Ich als Wohnungslose kann ein Lied davon singen, wie elementar ein Ort ist, den man sein Zuhause nennen kann. Und es macht mich wütend, dass den Bewohner*innen der Else75 nun diese Sicherheit genommen werden soll.

Obwohl ich hier nicht wirklich wohne fühle ich mich mittlerweile doch irgendwie als Teil dieser Hausgemeinschaft. Auf dem Hoffest am 24. März und darüber hinaus, stehe ich der Else75 solidarisch bei Seite und das könnt Ihr auch.

Sherin

Fotos: Max Merz

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