Unsere Bewohner*innen: Sabrina und Khai

Unser Haus ist ein einfaches Berliner Mietshaus mit vier Etagen – bis zum letzten Jahr beton-beige und von außen absolut unscheinbar. Plötzlich und über Nacht fand letztes Jahr eine Fassaden-Sanierung des Vorderhauses statt. Die gesamte Häuserfront zur Straßenseite wurde über die Sommer- und Herbstmonate mit Planen verhangen. Nach Monaten ohne Sonne im Wohnzimmer kam ein in neuem Glanz erstrahlter Neuköllner Altbau zum Vorschein. Die Sanierung war nur oberflächlich – das erkennt man von der Straße nicht, das wissen ja nur die Mieter. 

Wir gehören zum Kreis dieser Mieter. Zusammen mit unseren beiden Jungs – einer zwei Jahre alt, der andere gerade frisch auf der Welt. Die Wohnung im Vorderhaus ist unsere erste gemeinsame Wohnung, nach der wir sehr lange gesucht haben. Die Wohnsituation in Berlin ist nicht erst seit gestern so, wie sie ist. Ob Glück oder Zufall – wir haben unsere Traumwohnung gefunden und sie war vor drei Jahren der Ausgangspunkt für unser gemeinsames Abenteuer Familie. Eine Wohnung mit einem eigenen Zimmer für die beiden Kinder, eine Wohnung, die es uns beiden finanziell erlaubt, Elternzeit zu nehmen und – so lange die Kinder noch klein sind – in Teilzeit zu arbeiten.

Die Wohnung ist unser Zuhause, hier fühlen wir uns wohl, wir leben gern hier. Der bisherige Besitzer hat über die Jahre nur das Nötigste in unser Haus investiert. Uns hat das nicht gestört, die Miete war dafür ja entsprechend niedriger, und so haben wir – wie viele andere Parteien auch – immer wieder selbst angepackt, Böden geschliffen, Türen gestrichen und was man eben so macht, um sich die eigenen vier Wände gemütlicher zu machen. In unserer Wohnung steckt sehr viel Herzblut.

Unsere Nachbarn sind bunt gemischt – Rentner, Studenten, Selbstständige, Singles, Familien. Wer ein Buch gelesen hat, legt es in den Hausflur und ein anderer freut sich darüber. Wir leihen uns Milch, verleihen Küchengeräte und freuen uns, dass sich keiner über Kinderlachen beschwert.

Unser Großer weiß, wer hinter welcher Haustür wohnt. Er hat hier im Hof gelernt, Laufrad zu fahren, sein Lieblingsspielplatz (mit Bolzplatz!) liegt ums Eck. Wir gehen hier in die nahegelegene Bibliothek, ins Schwimmbad und haben viele soziale Kontakte hier im Kiez. Wir sind hier fest verwurzelt und können uns keinen besseren Platz für uns als Familie vorstellen.

Bitte helft uns, unser Zuhause zu erhalten!

Sabrina und Khai

Fotos: Max Merz

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