Unsere Bewohner*innen: Nora und Matthias

Fotos: Max Merz

Wir sind Nora und Matthias und engagieren uns beruflich gegen Gewalt und Mobbing an Schulen und für Menschenrechte. Wir leben seit mehr als fünf bzw. einem Jahr in der Else 75 und seit fast zwölf Jahren in Berlin. Im wuseligen Neukölln ist unsere Wohnung für uns ein heilsamer Rückzugsort. Die unterschiedlichen Herkünfte, Alter, Geschichten und Weltsichten der Menschen, die in unserem Haus wohnen, und der respektvolle Umgang miteinander sind einfach unbezahlbar.

Die Else 75 steht für uns auch für die Vielfalt und das breite zivilgesellschaftliche Engagement unseres Kiezes. Wir sind beeindruckt, dass es in unserem Haus so viele Nachbar*innen und sogar mehrere Vereine gibt, die sich auf vielfältige Weise gegen Rassismus und für die Belange sozial benachteiligter Menschen einsetzen.

An Häusern wie der Else 75 und dem, was mit diesen Häusern passiert, entscheidet sich jeden Tag aufs Neue – und jedes Mal auch ein bisschen mehr – in welche Richtung sich die Gesellschaft bewegt, in der wir leben. Gelingt uns – auch räumlich – ein Zusammenleben in Unterschiedlichkeit, ohne Ansehen von Herkunft, Beruf, Interessen, Orientierungen und Einkommen? Oder führt die immer ungleichere Verteilung von Besitz und Vermögen dazu, dass die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen immer stärker getrennt voneinander leben? Sodass die einen die Lebensrealitäten der anderen überhaupt nicht mehr erleben und erfahren (können), weil sie sich kaum noch begegnen – und unsere Gesellschaft damit immer weiter auseinander driftet?

Es macht uns schlicht Existenzangst, dass der Verkauf unseres Hauses und damit horrende Mieterhöhungen oder gar die Umwandlung von Miet- in luxussanierte Eigentumswohnungen droht. Wir würden damit nicht nur unser geliebtes Zuhause verlieren, sondern auch ein Stück Heimat, die wir in unserem Elsen-Kiez gefunden haben. Was das für unsere Nachbar*innen bedeuten würde, die hier schon seit Jahrzehnten wohnen, das vermögen wir uns nicht vorzustellen. Wir bitten alle, die in irgendeiner Weise darauf Einfluss nehmen können, die Else 75 und ihre Bewohner*innen dabei zu unterstützen, unsere Hausgemeinschaft und den bezahlbaren Wohnraum, der diese Hausgemeinschaft erst möglich gemacht hat, zu erhalten.

Nora und Matthias

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