Unsere Bewohner*innen: Maya und Milo

Fotos: Max Merz

Seit September 2006 leben wir in der Else75. Zuvor waren unsere Anschriften in Moabit und später in Friedrichshain. Aber erst in dieser Gegend, in dieser Nachbarschaft und in diesem Kiez, wurde Berlin endlich unser Zuhause.

Maya

Berlin schien mir eine nicht zu entziffernde und undurchdringliche Stadt zu sein. Immigrantin zu sein war ein Thema, das ich nicht ignorieren konnte, bevor ich in Neukölln lebte. Als Tourist gesehen oder diskriminiert zu werden wegen meines Akzentes, meines Phänotyps, meines Ursprungsorts…, schien etwas zu sein, das an den undenkbarsten Orten “verwurzelt” war. Sogar das Einkaufen im Supermarkt war ein soziales Experiment, in dem sich Fremdenfeindlichkeit kristallisierte. In Neukölln anzukommen, war dennoch die Tür, die sich zu einer anderen Realität der Stadt öffnete. Ein Berlin nicht von einfacher “Toleranz”, sondern von sozialer Eingliederung und Akzeptanz. In diesen Jahren war das Leben in dieser Gegend nicht in Mode. Eine humorvolle Anekdote: Ein Kommilitone vermied es, in die Wohnung zu kommen, aus Angst angegriffen, angerempelt oder geschlagen zu werden … und vor all den Ereignissen, die eher in unserer eifrigen Phantasie als in der Realität vorkommen. Jetzt ist auch er ein Nachbar! Ich habe diese Ängste nie geteilt. Seitdem ich in dieser Gegend lebe, war ich ein Teil des Ganzen, ein passendes Puzzlestück.

Die Wohnung, in der wir leben, hat eine lange Geschichte der Solidarität und Zuneigung. Zuvor lebte dort ein Freund, der aus beruflichen Gründen in eine andere Stadt zog. Die Entscheidung, die Wohnung zu verlassen, wurde schnell getroffen, so dass wir dieses Haus mit dem skurrilen Charakter angenommen haben. Hier haben wir eine Nachbarin getroffen, die im Laufe der Jahre eine unserer besten Freunde wurde. Das Leben in diesem Gebäude begann einen anderen Charakter zu haben, den wir in den vorherigen Häusern vorfanden: das Familienleben, nicht nur als Paar, sondern auch Freundschaften, die wir im Laufe der Jahre aufgebaut haben, gaben mir das Gefühl, zu Hause zu sein. Von “heroischen Rettungen”, nachdem ich einige Stunden auf dem Balkon gefangen war, bis zum erleichterten Türöffnen, nachdem ich in der Winterzeit meinen Schlüssel in diesem Meer aus Schnee und Müll verloren und gefunden hatte. All diese kleinen Anekdoten, die schließlich Teil unserer Geschichte werden.

Milan Kundera bezog sich auf das Wort Litost, das es nur in tschechischer Sprache gibt. Es bezieht sich auf einen Zustand der Agonie und Qual, die durch die plötzliche Vision des eigenen Elends entsteht. Es war dieses Gefühl, das ich empfand, als die Vorstellung mein Zuhause verlassen zu müssen, meine Seele übernommen hat.

Milo

Else75 ist die perfekte Blase, die ich gefunden habe, um friedlich zu leben und zu schlafen!! – besonders am Anfang. Als wir umzogen sind, studierte ich noch Biologie und arbeitete in verschiedenen Schichten im Krankenhaus. In den vorangegangenen Wohnungen erlaubte es das Treiben bei Tag und Nacht nicht, mich auszuruhen, wenn ich es brauchte: zu lernen, zu schlafen, meine Energie zurückzugewinnen. Manche sagen uns, es sei “Glück” und “Luxus” in dieser Wohnung zu leben. Aber Ruhe in der Wohnung sollte kein Privileg sein, sondern ein Recht. Diese Ruhe erlaubte mir, dass die Jahre des Studiums und der Arbeit nicht durch eine feindselige und turbulente Umgebung verschlimmert wurden.

Nun kann ich sagen, dass das gesamte Else75-Ökosystem auf einem Gleichgewicht von Social Engineering basiert. Wenn ich nicht arbeite, kann ich mich auf meine musikalischen Projekte konzentrieren. Zu keiner Zeit wurde meine Musikophilie als lästig empfunden. Einige meiner Nachbarn teilen auch dieses Hobby, wodurch ich mich auf melodischer Ebene mit ihnen verbunden fühle. Aber nicht nur die Leidenschaft für Musik teile ich mit meinen Nachbarn. Else75 hat die Besonderheit, in friedlicher Harmonie zu leben.

Du magst vielleicht auch